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Geschichten vom schönen Scheitern

Author:
buechervorstellung_KatrinBauerfeind

Eigentlich bin ich ja diejenige von uns Dreien, die auf der „das-muss-jeder-mal-gelesen-haben-Liste“ ganz viele Klassiker draufschreiben würde. Dante, Boccaccio, Pirandello, Moravia, Eco, Camus, Zola, Proust, Svevo, Dostojewski, Nietzsche,….Aber heute möchte ich euch das Buch von Katrin Bauerfeind ans Herz legen. Ich sehe sie gerne im TV, habe ihr Buch aber bisher noch nicht in Händen gehabt. Bis letzte Woche, da schlenderte ich durch die Reihen der Bibliothek und da stand ihr Buch, sie, schelmisch grinsend. Zuhause wollte ich dann nur einen kurzen Blick ins Buch wagen, habe aber die ersten 80 Seiten sofort verschlungen und mehrmals laut gelacht.

„Mir fehlt ein Tag zwischen Sonntag und Montag“

In diesem Buch erzählt Katrin 45 kurzen Geschichten von ihrem Leben, Erfahrungen, dem ewigen Scheitern, von Menschen, Macken, dem Rauchen, den Schubladen…..Ein wirklich tolles Buch, dass ich jedem nur empfehlen kann. Da es keine durchgängige Geschichte ist, kann man es auch mal schnell in einer Pause oder ein paar ruhigen Minuten zur Hand nehmen. Ihre Sprache intelligent und wortgewandt, mit viel Humor, Ironie und Sarkasmus, der mich sehr anspricht und ich oftmals einfach lachend genickt habe. Ihre „Geschichten vom schönen Scheitern“ treffen den Nerv der Zeit und ich habe mich in vielen Situationen wiedergefunden. Ich glaube, dass sich jeder in irgendeinem Kapitel wiederfindet, ich tue es (nicht nur in einem).

Hier sind noch ein paar Zitate aus dem Buch, damit ihr schon einmal einen Einblick bekommt, wie sie schreibt und denkt. Viel Spaß beim Lesen!

Katrin über das Rauchen

„Bevor sie mich also wegen des Rauchens verurteilen, bedenken sie bitte, dass ich ja auch ganz viele Sachen nicht tue, die meine Umwelt gefährden könnten. Ich habe keine Waffen und Kinder, ich habe keine ansteckenden übertragbaren Krankheiten, und ich war nie beim Promi-Dinner oder bei Beckmann.[…]Die Warnhinweise auf den Zigarettenpackungen sollen […] demnächst noch größer und drastischer werden. Ich finde das unhöflich. Man klebt auch keine Bilder einer ängstlichen Kuh auf ein halbes Pfund Hackfleisch. Man zeigt uns bei IKEA nicht die Paare, die sich im Bettenmodell „Lillebror“ nachhaltig zerstritten haben, und auf einer Packung Fritten bei McDonalds ist kein Bild von Reiner Callmund.“

Katrin und die Anti-Hochzeit

In ihrer Heimatstadt Aalen beobachtet sie die Menschen um sich und fragt sich, wie sie geworden wäre, wäre sie in Aalen geblieben. So spinnt sie sich ihre Provinz-Hochzeit zusammen.

„Wichtig wäre uns bei unserer Hochzeit, dass wir Einladungskarten verschicken mit drei Fotos auf der Karte oder einer Fotocollage, in jedem Fall in mittlerer Druckqualität. […] Unter diesen Fotos steht in Comic sans kursiv: Wir trauen uns…[…]Ich trage ein Kleid, auf das Sissi neidisch gewesen wäre. […] Zusätzlich trage ich Finger-Flip-Flop-Handschuhe, die über die Ellenbogen gehen und die an den Nähten mit Glitzersteinchen bestickt sind. […] Der Fußballverein meines Mannes hat ein Gedicht geschrieben, sie lesen es von Zetteln ab. „Glück“ reimt sich auf „Stück“, und „Hochzeitspaar“ auf „Das ist klar“. Gegen 17 Uhr baut Magic Jonny sein Keyboard auf. Er wird den Gästen heute noch einheizen.[…]

Ganz gut eigentlich, dass ich mir diesen Tag so lebhaft vorstellen kann, dass ich ihn gar nicht erst feiern muss.“ 

Katrin und Schlafen

„Mein Leben ist eine Art Schlafstörung. […] Im Schlafen bin ich richtig gut.[…]Es gibt ja wirklich Leute, die morgens aufstehen wie Menschen in der Kaffeewerbung, unzerknittert, munter und voll da. Wenn ich aufgestanden bin, legt sich mein Kreislauf noch mal wieder hin. […] Vielleicht liegt´s ja auch am Blutdruck. Vielleicht ist Schlafen eine Art Probeliegen für den Hauptfriedhof.“

Essen

„Es bestand bei mir genetisch wenig Gefahr, magersüchtig zu werden. In meiner Familie essen alle sehr gerne und vor allem sehr viel,[…] Die Qualität eines Restaurants macht sich an der Größe des Schnitzels fest. Nur wenn es über den Teller hinauslappt, ist der Laden empfehlenswert. […] Die Sättigungsbeilage zum Schnitzel kann durchaus ein zweites Schnitzel sein.“

Das Single Dasein

„Familien werden um mich herum weit mehr gegründet als Start-ups. […] Ich bin Single. Ich finde das okay. Ich weiß nur nicht, warum sich sämtliche schwangeren, hochzeitswilligen Familiengründungsfreundinnen nie für ihr Leben rechtfertigen müssen, ich mich aber für meins ständig.“

„In den Augen der meisten ist Single sein, ähnlich wie arbeitslos sein oder Hunger haben[…] Wer länger Single ist, und nicht Priester, Nonne oder Serienkiller, macht sich verdächtig.[…] Die Reaktion auf den Satz „Ich bin Single“ ist aber immer noch: „Waas? Wieso das denn? Du bist doch eine tolle Frau!“

Hach, wie gut ich das kenne……

Foto: Anja (www.hellbunt-fotografie.de)

Juliane Großmann

30 Jahre, ist selbstständige Journalistin, Texterin und Illustratorin. Wenn sie nicht gerade von Meer und Sand träumt, jongliert sie mit der deutschen Sprache oder dem Fineliner.


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