Looking for Something?

Lieber Sinn des Lebens

Author:
sinndeslebens

Wo führst du uns hin, was willst du bedeuten? So oft fragen wir nach dir, suchen dich in den dunkelsten Ecken, den engsten Ritzen, schreien in die Nacht, verzweifelt, fragend, unaufhörlich, hoffend, fortwährend. Egal wie oft wir die Frage nach dir ad absurdum führen, dennoch kriecht sie immer wieder unerbittlich in uns auf, drängt sich nach vorne, will beantwortet werden. Doch egal welche Antwort uns entgegenkommt, sich aufdrängen will, gleich danach stellt sich die Frage aufs Neue. Unendliches Verlangen, ein Teufelskreis. Warum diese Frage?

Sigmund Freud (Neurologe, Tiefenpsychologe, 1856-1939) sagte einmal, dass der, der die Frage nach dem Sinn des Lebens stellt, krank sei. Seiner Meinung nach wurde die Frage schon zu viele Male gestellt und nie mit einer befriedigenden Antwort versehen. Das Leben kann nur unerträglich für den Menschen sein, da es zu viele Schmerzen, Leid und unlösbare Aufgaben mit sich bringt. Glück ist ohne Leid nicht wahrnehmbar (und umgekehrt). Sind wir denn alle krank? Brauchen wir Leid, um Sinn zu fühlen oder suchen wir immer nur, wenn wir leiden, unglücklich sind, unbeschäftigt ohne Antrieb?

Jean Paul Sartre (Schriftsteller, Philosoph,1905-1980) meinte, dass der Mensch in die Welt hineingeworfen wurde und sich nun selbst definieren muss, er ist also nichts anderes, als das, was er aus sich macht. Das wäre aber wiederum Freiheit und Bürde zugleich, denn das heißt auch die volle Verantwortung für sich und sein Handeln zu haben, wäre durch nichts und niemand anderes entschuldbar. Eine Bürde, die in der heutigen Generation Y scheinbar größer ist als zuvor. Du kannst sein, was du willst, alles steht dir offen…Ja aber wohin dann mit mir und meinem Sinn? Wenn uns die Welt offen steht, alles möglich ist, wohin dann mit unseren Talenten, wo ist dann unser ganz individueller Sinn?

Seneca (Philosoph, 4 vor Christus) sagte, dass das Leben wie eine Rolle auf dem Theater ist. Es kommt nicht darauf an, dass lange, sondern dass gut gespielt wird. Aber das wirft doch gleich wieder tausend Fragen auf! Woher wissen wir, dass wir gut spielen? Wer ist das Maß?

Dann lieber wie Fjodor Dostojewski (Schriftsteller, 1821-1881). Er sagt, dass man das Leben mehr lieben muss, als den Sinn des Lebens. Oder besser noch wie Albert Camus (Schriftsteller, Philosoph, 1913-1960) es sagt. Seiner Meinung nach, gehen wir Menschen Tag für Tag arbeiten, gehen Verpflichtungen nach und nehmen uns selbst viel zu wichtig (wie recht er doch jetzt noch hat). Er fragt sich, ob die Menschheit nicht wüsste, dass sie sterben wird und das Streben völlig sinnlos ist. Lieber sollte man sein Dasein in allen Zügen auskosten, das Hier und Jetzt genießen und intensiv leben (weise gesprochen). Wer bewusst lebt, ist „Herr seiner Tage“ und seines Glückes Schmied. So ist der Mensch selbstbestimmt, hellwach, leidenschaftlich und neugierig. Das wäre ein Ansatz, den es wirklich zu verfolgen gilt. Eine Ansicht, die ich mit ihm teile. Lieber Sinn des Lebens, finden wir dich also in den kleinen Dingen, die oftmals viel zu schnell vergehen, stolpern wir zu oft unbedacht darüber ohne genau hinzusehen?

Leider gibt es für die Frage aller Fragen kein Rezept, kein Navi, dessen Route wir folgen können, um den Sinn zu finden. Und es gibt auch keinen Hammer, der groß genug wäre, um uns diese (seien wir doch mal ehrlich) sinnfreie Frage aus dem Kopf zu schlagen. Wenn es DEN einen Sinn des Lebens gibt, was wenn wir ihn auch finden würden? Wären wir dann zufrieden? Lebten wir dann glücklicher, beruhigter? Ich denke nicht. Oder ist es die ewigwärende Frage nach dir, die uns antreibt, umtreibt, weitertreibt, manchmal in den Ruin treibt, wären wir ohne sie gänzlich ohne Sinn? Was ist, wenn wir aufhören nach dir zu suchen, lieber genießen, das Jetzt, das Uns. Aufhören uns zu bewähren, ohne Streben nach dem gut, besser, am besten. Schöpfen anstatt zu hetzten. Was, wenn wir entscheiden, wer wir sein wollen und das anstreben, statt zu fragen wer wir sind. Jeder Einzelne kann sich schaffen, formen, Gestalt geben, sein Wesen wertvoll formen und füllen, im Moment, mit den kleinen Dingen des Lebens, mit Lachen, mit Genuss, Liebe, Freundschaft. Was, wenn genau das der Weg ist, den es sich lohnt zu gehen, ohne Wo-bist-du-Sinn-des-Lebens-Rucksack.

Also lieber Sinn des Lebens, wenn du mich suchst, ich gehe jetzt auf eine Wiese, einen Gänseblümchenkranz binden.

Juliane Großmann

30 Jahre, ist selbstständige Journalistin, Texterin und Illustratorin. Wenn sie nicht gerade von Meer und Sand träumt, jongliert sie mit der deutschen Sprache oder dem Fineliner.


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Feedback

4
  • Rin

    Sehr schoen geschrieben.
    Ich bin ueber Facebook auf diesen Beitrag gestossen. Eher zufaellig, weil mich das Thema interessiert, mal den Link angeklickt. Die Frage die ich mir viel zu oft stelle ist jedoch nicht die, nach dem Sinn des Lebens sondern die, warum sich manche Menschen sich diese Frage ueberhaupt stellen wo die Antwort doch so einfach ist. Leben ist der Sinn des Lebens. Nicht mehr und nicht weniger. Was man daraus macht liegt allein in der eigenen Hand. Das heisst meiner Meinung nach dass jener, der sich kontinuierlich die Frage nach dem Sinn des Lebens stellt diesen somit bereits verfehlt hat da er vor lauter Suchen vergisst zu leben.

    LG Rin

  • Dana

    Klasse Post! Sehr spannend und informativ zugleich, habe bis zum letzten Wort alles genüsslich gelesen. Vielen Dank :)

    Dana
    http://danalovesfashionandmusic.blogspot.de/

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