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Sonntagspost: „Ein Brief an alle Sackgänger“

Author:
anja_atempausen

Es sollen sich auch nur DIE angesprochen fühlen. Ja solche Fragen werden mir wirklich gestellt!

Liebe Sackgänger,

vielen Dank für die weisen Worte, klugen Sprüche, dem ständigen Gefrage, Vorhaltungen und Anspielungen. Ja ich bin 30, nein ich höre keine Uhr ticken und ja statt Kind hab ich einen Hund und bin selbstständig. Ich habe keine Lust mehr auf Rechtfertigung. Gern würde ich jedesmal flüchten, meine Ohren zuhalten und singend in die entgegengesetzte Richtung hüpfen, sobald diese Frage kommt. Sobald ihr meine Antwort hört, ernte ich oftmals die selben unglaubwürdigen Blicke, die mir Unverständnis entgegenwerfen. Eure Fragen und Aussagen sind dann oftmals die selben.

„Willst du immer so weiterleben?“
„Kinder sind die Erfüllung und gehören zum Leben dazu!“
„Wer soll dann unsere Rente bezahlen?“
„Ach du bist noch jung, das überlegst du dir bestimmt sicher noch!“
„Dann wirst du ja eine verbitterte alte Frau!“
„Du musst doch mal erwachsen werden!“
„Wer soll sich denn da im Alter um dich kümmern?“
„Meinst du nicht das ist egoistisch“?

Das ist nur ein kleiner Auszug aus dem Fragen- und Aussagenkatalog, der reichlich viel Intelligenz, Akzeptanz und Empathie enthält.  Blickt bitte ein bisschen über den Tellerrand und versucht nicht jedem eure Einstellungen und Lebensvorstellungen aufzudrängen. Es existieren viele unterschiedliche Lebensmodelle und wieso nicht eines führen, welches anders ist als die, die der Norm entsprechen. Man ist die Summe seiner Entscheidungen. Ich überlege welche Entscheidungen in meinem Leben die richtigen sind, um nicht irgendwann alles in Frage zu stellen. Natürlich spielt bei dieser Lebensentscheidung auch ein gesunder Egoismus ein Rolle. Ich achte darauf, was mich glücklich macht und für was ich geschaffen bin. Kinder zu haben und zu erziehen ist keine Leichtigkeit und erfordert viel Kraft und Mut. Deshalb ziehe ich auch vor jeder Mutter den Hut. Für soviel Selbstaufgabe ist nicht jeder geschaffen. Es gibt Frauen, die merken es erst, wenn es zu spät ist, dass Mutter sein nicht das Richtige ist. Die Entscheidung ist dann leider schon gefällt und nicht mehr rückgängig zu machen.

Ich habe diese Woche erst wieder ein paar interessante Artikel gelesen. Sie behandeln eine wissenschaftliche Studie der Israelin Orna Donath. Darin erklärten 23 Frauen, warum sie es bereuen, Mutter geworden zu sein. Ich verurteile diese Frauen nicht und hoffe, ihr könnt auch ein bisschen Verständnis und Akzeptanz aufbringen. Sie lieben ihre Kinder, doch  würden anders entscheiden, wenn sie die Zeit zurückdrehen könnten. Manche Frauen fühlen sich oftmals von den Vorstellungen der Allgemeinheit in eine bestimmte Ecke gezwungen und entscheiden nicht für sich, sondern für die Allgemeinheit.

Sie wollen ihr Leben zurück. / Süddeutsche Zeitung
Debatte um #regrettingmotherhood: Mütter, seid nicht so hart! / Spiegel Online
Debatte um #regrettingmotherhood: Mütter, die keine sein wollen / Spiegel Online

 

Ich danke euch für eure Aufmerksamkeit und hoffe auf mehr Verständnis beim nächsten Wiedersehen.

Liebe Grüße

Anja

30 Jahre, ist selbständige Fotografin und Träumerin.


Feedback

5
  • Bell

    Ich lebe zwar genau gegenteilig, aber kann deinen Standpunkt absolut verstehen. Wir haben im Freundeskreis auch solche Sprücheklopfer. Lass dich nicht weiter ärgern.

    Liebst,
    Bell

  • Vanessa

    Schöner Artikel! Ich bin zwar noch ein paar Jahre hinter dir, aber ich merke jetzt schon, wie sich so langsam die Erwartungshaltungen in meinem Umfeld in diese Richtungen wandeln. „Du bist ja noch jung, das ändert sich vielleicht noch“ – ein oft gehörter Satz. Schrecklich. Dabei habe ich eh noch gar keine „endgültige“ Entscheidung gefällt, aber zur jetzigen Lebenssituation passt es nicht, und ob es jemals passen wird … kann ich mir eigentlich gar nicht wirklich vorstellen. Um ehrlich zu sein will ich mir auch keine Gedanken darum machen, aber genau das ist es, was von mir erwartet wird – und das geht mir ziemlich gegen den Strich.
    In deinem Artikel lese ich endlich mal, was ich mir schon oft gedacht habe und erstmals habe ich das Gefühl, dass ich nicht alleine bin mit diesem „Problem“.

    Liebe Grüße,
    Vanessa

  • Steffi

    Richtig. Ich kann deine Worte und die Sätze, die man doch so über sich ergehen lassen muss nur zu gut nachvollziehen. Aber: Du machst das genau richtig. Und richtig ist nun mal das, was man selbst – und zwar nur selbst – also richtig empfindet.

    LG, Steffi
    http://blog.modiami.com

  • Lifetravellerz

    Hi Anja,
    vielen Dank für den tollen Artikel und die offenen Worte. Vorab ich will auch keine Kinder, ich will mich bewusst dieser Aufgabe nicht stellen, ich denke ich bin dafür nicht geschaffen und von Selbstaufgabe halte ich nichts. Den auch als Mann muss man sich immer wieder diesen Fragen stellen. Ich kann dich sehr gut verstehen und bin der Meinung das die alten Klischees mit altmodischen Menschen verschwinden.
    LG Juergen

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